Neue Rundholzannahme bei ZPR in Blankenstein eingeweiht

08.04.2017 OTZ Peter Hagen

 Mit Steuerknüppel und Monitoren führt Mario Weigelt den wuchtigen gelben Greifer in Richtung Waggons, packt eine Ladung Rundholz und beschickt damit das Förderband, das den Rohstoff zur Entrindung und Hackerei transportiert. Bislang kamen die Stämme ausschließlich per Lkw zum ­Lagerplatz auf der anderen Saale-Seite. Doch nun ist auch die Anlieferung per Bahn möglich.
Kranführer Mario Weigelt stellt Ramelow sein 1,3 Millionen Euro teures neues Arbeitsgerät vor. Foto: Peter Hagen Kranführer Mario Weigelt stellt Ramelow sein 1,3 Millionen Euro teures neues Arbeitsgerät vor. Foto: Peter Hagen

Blankenstein. Allein das neue “Dienstfahrzeug” von Mobilkranführer Mario Weigelt kostet 1,3 Millionen Euro. Insgesamt hat die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) zirka 8,5 Millionen Euro in das Projekt der Rundholzannahme per Bahn investiert. Nach einem mehrjährigen Prozess, der 2013 mit der Idee entstand, diese zweite Rundholzannahme in der Nähe der Hackerei zu errichten, erfolgte am Freitag die offizielle Inbetriebnahme durch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

  • In die neue Rundholzannahme hat die ZPR insgesamt 8,5 Millionen Euro investiert. Zehn Waggons finden hier zeitgleich Platz. Foto: Peter Hagen
    In die neue Rundholzannahme hat die ZPR insgesamt 8,5 Millionen Euro investiert. Zehn Waggons finden hier zeitgleich Platz. Foto: Peter Hagen

“Eigentlich ist heute Nossol-Tag”, bedauert Ramelow, dass der ZPR-Geschäftsführer Leonhard Nossol aus gesundheit­lichen nicht persönlich anwesend sein konnte. Der Ministerpräsident wünscht ihm eine ­baldige Genesung. Mit der neuen Rundholzannahme sei in Blankenstein nach dem Opel-Standort Eisenach die zweithöchste Investitionsquote in ganz Thüringen verbaut worden, verdeutlicht Ramelow die Dimension und bezeichnet die ZPR als einen “wichtigen Motor in der Region”. Trotz 83 Hektar bebautes Industrie­gelände im Grünen Herz von Deutschland habe man nicht das Gefühl, im Ruhrgebiet zu sein. Die ZPR, deren negativen Auswirkungen auf die Umwelt vor Jahrzehnten saaleabwärts lange zu verfolgen gewesen seien, gehöre heute zu den “umweltpolitisch extrem sauberen Standorten”. In diesem Zusammenhang hebt Ramelow hervor, dass sich hier auch das größte Biomassekraftwerk Thüringen befinde. “Die größte Menge an Biostrom im Freistaat entsteht in Blankenstein”, freut sich ­Ramelow über diese Art der praktizierten Energiewende, “CO2 neutraler Strom kommt von hier.”

Wie bedeutsam es für den Blankensteiner Zellstoffproduzenten ist, möglichst viel Güterverkehr auf die Schiene zu verlegen, macht Werksleiter Christian Sörgel deutlich. Waren es im Jahr 2000 noch 150 000 Tonnen, die mit der Bahn transportiert worden sind, so seien es inzwischen 350 000 Tonnen jährlich. “Beim Holztransport sind wir aber fast ausschließlich auf Lastwagen angewiesen”, sagt er. In den 1980er Jahren war der Rundholzplatz, der schienenmäßig nicht erschlossen ist, auf der anderen Saale-Seite errichtet worden. Für den Standort gab es aufgrund der Umgebung des Werkes seinerzeit keine Alternative. Mit einer 300 Meter langen Förderbrücke rollen seither die Stämme über die Saale zur Verarbeitung. Mit der jetzt in Betrieb genommenen zweiten Rundholzannahme per Bahn, zu der eine eigene Bandfördereinrichtung gehört, können 200 000 Tonnen Rundholz jährlich auf dem Schienenweg an­geliefert werden. Das erspart zirka 8000 Lkw-Fahrten. “Das ist ein klares Bekenntnis zu unserem Ziel der Verlagerung von mehr Gütertransporten aufs Gleis”, sagt Sörgel.

Vorerst sollen zehn Waggons täglich die Anlage ansteuern, die allerdings für die doppelte Leistung ausgelegt ist. Um das Potenzial voll ausschöpfen zu können, sei der Erhalt und Ausbau der bestehenden Bahnstrecke nach Saalfeld wichtig.

Betriebs-Notizen

Die Gründung der ZPR Blankenstein reicht ins Jahr 1882 zurück.
Das Hauptprodukt Zellstoff dient als Grundmaterial bei der Produktion von Papier für Schreib- und Druckzwecke, Verpackungen und Hygienepapieren.
Die nordamerikanische Mercer International übernahm den Betrieb 1994 von der Treuhand.
Ende der 1990er Jahre investierte Mercer rund 650 Millionen D-Mark.
Die ZPR hat derzeit 450 Mitarbeiter.

Bildergalerie unter:
http://www.otz.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Rundholzannahme-Blankenstein-in-Betrieb-genommen-153115544

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Auf Ramelows Schreibtisch steht ein Stück Höllentalbahn

08.09.2017 OTZ Peter Hagen
Lückenschluss würde fränkisch-thüringische Region entwickeln

Die in originaler Fraktur-Schrift gefertigten Miniatur-Bahnhofsschilder sollen ihren Platz auf dem Schreibtisch des Ministerpräsidenten bekommen. Foto: Peter Hagen Die in originaler Fraktur-Schrift gefertigten Miniatur-Bahnhofsschilder sollen ihren Platz auf dem Schreibtisch des Ministerpräsidenten bekommen. Foto: Peter Hagen

Blankenstein. “So weit waren wir noch nie!” – Mit diesem knappen Satz fasst Fritz Sell, 1. Vorsitzender der Verkehrs­initiative Höllennetz, Freude und Optimismus zusammen, dass die Reaktivierung der ­Höllentalbahn möglicherweise greifbar nahe rückt.

  • In dieser Karte rot markiert ist der 5,5 Kilometer lange Abschnitt, der neugebaut werden muss.
    In dieser Karte rot markiert ist der 5,5 Kilometer lange Abschnitt, der neugebaut werden muss.

Schon 1998 hatte der Architekt aus Geroldsgrün seinen ersten Schriftverkehr mit der ZPR geführt. Zu dieser Zeit lag ein Gutachten zur Wiederbelebung der Höllentalbahn vor, in dem damals Kosten von 15 Millionen Euro veranschlagt waren. “Diese erste Untersuchung befasste sich ausschließlich mit dem ­Personenverkehr, der Güterverkehr war überhaupt nicht ­berücksichtigt worden”, blickt Sell zurück. Der 57-Jährige ist 1. Vorsitzender der im Jahr 2002 gegründeten Verkehrsinitiative Höllennetz. Hauptziel des eingetragenen Vereins ist die Reaktivierung der Höllentalbahn. Dabei versteht sich die Verkehrsinitiative als Ansprechpartner für Verkehrsunternehmen, Politiker, Institutionen, Verbände und die Wirtschaft. Zu den Mitgliedern der Verkehrsinitiative Höllennetz gehört die ZPR, deren Geschäftsführer Leonhard Nossol bei jeder Gelegenheit betont, wie wichtig der Lückenschluss für den Wirtschaftsstandort ist.

Bei Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) steht eine große Gleisschraube auf dem Schreibtisch und erinnere jeden Tag an das dicke Brett, das gebohrt werden müsse, um den Lückenschluss herzustellen. “Wir brauchen grenzüberschreitend das Gefühl, dass die Regionalentwicklung hier weder auf der fränkischen, noch auf der thüringischen Seite endet”, sagt Ramelow. Das sei 40 Jahre lang der Fall gewesen, doch aus diesem “Dead End” (Sackgasse) solle wieder “das schlagende Herz für eine Gesamtregion” werden. Sein bayerischer Amtskollege Horst Seehofer (CSU) sei inzwischen mit dem Thema vertraut.

Den Argumenten der Höllentalbahn-Gegner, die dem Natur- und Umweltschutz entlang der zugewachsenen Bahnstrecke huldigen, hält Ramelow entgegen: “Sind Hof und die Region um Hof nicht so wichtig? Ist es uninteressant, ob hundert oder zweihundert Lkw dort jeden Tag durch die Straßen rollen?” Es brauche eine vernünftige Berechnung, um den Holzlagerplatz Cheb zu einem Standort zu machen, der von Blankenstein aus auf kurzer Strecke mit der Bahn angefahren werden kann. Die Höllentalbahn, für die ­Ramelow mit Leidenschaft kämpfe, sei ein entscheidendes Stück bei der nachbarschaft­lichen Entwicklung in euro­päischer Dimension.

Zur Schraube auf Ramelows Schreibtisch gesellen sich jetzt die auf H0-Größe verkleinerten Bahnhofsschilder von Lichtenberg, Hölle, Marxgrün, Naila und Selbitz. Ein Präsent von Fritz Sell.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Lokalredaktion Lobenstein

 

Eine Bildergalerie von Stefan Winkler

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