Gutachten zur Höllentalbahn in Kürze erwartet

Blankenstein:  Expertenteam soll Expertise für weitere Entscheidungen erstellen

OTZ Peter Hagen 

Zu Beginn des neuen Jahres wird mit den Ergebnissen eines Gutachtens zur Umweltverträglichkeit einer reaktivierten Höllentalbahn gerechnet. Ursprünglich sollten diese schon im Spätsommer vorliegen, jedoch sorgte auch hier das Pandemiegeschehen im Freistaat für zeitliche Verzögerungen.

OTZ Artikel unter:
https://www.otz.de/regionen/bad-lobenstein/blankenstein-gutachten-zur-hoellentalbahn-in-kuerze-erwartet-id231240936.html

Kommentar:
OTZ Peter Hagen zum Kampf um die Höllentalbahn unter:

https://www.otz.de/regionen/schleiz/expertise-fuer-entscheidungen-id231243182.html

2 Gedanken zu „Gutachten zur Höllentalbahn in Kürze erwartet“

  1. Wieder sind Nostalgiker am Werk, die etwas wollen, was keiner braucht. Man schaue sich nur den Bahn-Lückenschluss zwischen Asch und Selb-Plößberg an. Ich bin im Sommer dort gefahren, es waren 4 Fahrgäste im Zug.

    1. Man muss Herrn Hauguth mit seiner Wahrnehmung recht geben. Die Schlussfolgerung ist jedoch nicht richtig.

      Unter Fachleuten hatte Selb – Asch für sich alleine und für den Personenverkehr alleine wenig Sinn gemacht. Dazu hatte sich in drei Jahrzehnten zu viel geändert (Umgehung Selb, Wegfall der Industriearbeitsplätze in Selb, die Arbeiter und damit Pendler aus Tschechien benötigte). Sie hätte, um über den Personenverkehr Erfolg zu haben, bereits in den 90ern wiedereröffnet werden müssen. Doch da wurde geschlafen bzw. war das nicht gewollt.

      Aber mit der Höllentalbahn gemeinsam macht auch die Reaktivierung von Selb-Asch wieder Sinn. Hier ist der Güterverkehr, der sich im Gegensatz zum SPNV selbst finanziert, die treibende Größe. Auch kann der Personenverkehr von einer Durchbindung von Saalfeld bis Cheb profitieren.
      Nebenbei: Würde die Strecke Hof – Asch – Cheb nach Marienbad weitergeführt werden, wäre sie sicherlich auch erfolgreicher.
      Und meine Meinung: Würde in Wildenau, wie ursprünglich mal geplant, ein Halt eingerichtet werden, würden sich auch die Fahrgastzahlen sprunghaft erhöhen. Denn warum fahren die meisten Deutschen nach Tschechien? Zum Einkaufen (übrigens auch umgekehrt), zum Tanken und für Zigaretten. Tanken ist mit Bahnfahren keine Kombination – aber der Zigarettenkauf – neben anderen Einkäufen – schon. Und hier ist 300 Meter neben Wildenau ein bevölkertes Shoppingparadies, während der Bahnhof Asch 1,3 km von der nächsten Einkaufsmöglichkeit weg liegt.

      Aber was unterscheidet nun Selb – Asch von Marxgrün – Blankenstein:
      Pendler: In Bezug auf Industriearbeitsplätze ist nicht die gleiche Entwicklung gegeben. Ja – die weggefallene LIBA hätte Potenziale ausgelöst – aber Blankenstein hat hier sicherlich mehr Ausstrahlung. D.h. das Thema Berufs-Pendler ist noch aktuell, wird in Zukunft durch die angestrebte Verkehrswende noch wichtiger.
      In geringeren Umfang betrifft dies auch Versorgungs- und Ausbildungspendler. Naila ist ein Einkaufsziel für Kunden aus dem Saale-Orla-Kreis ist, der Schulstandort Naila kann dies auch für Ausbildungspendler, die bekanntlich selten ein Auto haben, werden. Wer bei Selb – Asch einkaufen möchte, muss erst einmal umsteigen, und dann sehr weit laufen, um Märkte, Läden zu erreichen.
      Verkehrswege: Zwischen Bad Lobenstein und Marxgrün gibt es keine Schnellstraße (Umgehung) wie zwischen Selb und Asch, wird es auch nie geben. Dieses Potenzial geht sozusagen dem MIV, dem Auto verloren.
      Bahnreisende / Reisezeiten: Während die Strecke Hof – Marktredwitz – Cheb (50 Minuten) schneller ist als Hof – Asch – Cheb (70 Minuten), wird dies bei Hof – Lichtenfels – Saalfeld im Gegensatz zu Hof – Höllental – Saalefeld nicht so sein (wahrscheinlich gleiche Fahrzeit – mit dem Nachteil eines Umstiegs in Lichtenfels). Dazu gesellt sich, dass Reisende, die von Bad Lobenstein nach Südosten reisen wollen und Bad Steben / Naila nach Norden massive Einsparungen haben. Einsparungen hätten auch Selber, die nach Prag bzw. Prager, die nach Selb reisen wollen. Aber ob das so viele sind? Da fehlt schlicht und einfach das touristische Element. Nur Franzensbad hat da Zugkraft, doch ist dies ehedem besser über Cheb erschlossen.
      Tourismus: Aktuell haben die Strecke Saalfeld – Blankenstein eineinhalb Zugpferde am Start – Bad Lobenstein (mit Saalburg) und der Nordausgang des Höllentals (übrigens – das Höllental ist viel mehr das Ziel von Leipzigern, während es in Nürnberg doch eher unbekannt ist). Hof – Bad Steben hat auch diese eineinhalb Zugpferde: Bad Steben selbst und der Südausgang des Höllentals. Bei einem Netzschluss hat nun jede Strecke drei Zugpferde – zudem ist auch noch das Höllental in sich selbst erschlossen. Und ich bin sicherlich kein großer Prophet, wenn ich sage, dass auch viele – vor allem ältere – Autofahrer die Höllentalbahn nutzen werden, ihr Fahrzeug beispielweise in Hölle abstellen, nach Blechschmitdenhammer spazieren, um dann mit der Bahn zurückzufahren. Und dies wird in unserer alternden Gesellschaft kein geringes Potenzial sein.
      Und wer meint, dass die Bahn die Touristen abschreckt, hat das Tal in den 70ern nie besucht, als die Gleise noch im Tal lagen und ist noch nie zwischen Bad Steben und Hölle oder Naila und Marxgrün gelaufen, wo aktuell doppelt so viele Züge verkehren als auf der Höllentalbahn einmal bedienen werden. Da schaut man vielleicht mal zum vorbeifahrenden Zug, freut sich über den Anblick – aber Forderungen zum Abschaffen habe ich da nie vernommen – eher die Meinung, dass da mehr Leute mitfahren sollten. Und ja – das Stebenbachtal, das Selbitztal sind weitere Täler als das Höllental. Dafür sind diese nicht so bewachsen. Und ja – das Höllental bleibt bewachsen – auch mit der Bahn.

      Es ist schon interessant: Über die zu niedrigen Fahrgastzahlen wird sich von den gleichen Leuten aufgeregt, die sich über diejenigen lustig machen, die sich dafür einsetzen die Bahnen hier auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen. Diese werten die Engagierten als Nostalgiker, Bahnenthusiasten, Träumer ab. Aber die Bezeichnung als Enthusiasten finde ich schon passend, doch vielleicht besser in der Bezeichnung als Heimat-Enthusiasten, die sich für unsere Zukunft einbringen. Träumer sind dann doch die Verschlafenen, die gerne die Hände in den Schoss legen und darauf warten, dass es der Freistaat schon irgendwie richtet, an Stelle selber aktiv zu werden, sich zu kümmern.
      Auch wenn das manche nicht lesen mögen: Für mich ist das eine wirtschaftliche Entscheidung, die nichts mit Nostalgie zu tun hat.

      Abschließend vielleicht noch den Ängste nehmenden Hinweis für die Autofahrer, die sich fürchten künftig vor geschlossenen Bahnübergängen zu stehen. Die Zukunft wird die vernetzten, autonom fahrenden Fahrzeuge bringen. Da wird ihr Auto seine Geschwindigkeit so anpassen oder eine Empfehlung aussprechen, das man eben nicht vor einem Bahnübergang steht.
      Das ist die Zukunft. Man kann sie mögen, man kann Angst davor haben – aber sie wird kommen. Und dann lieber sie selbst gestalten als von ihr überrannt zu werden.

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